“Könnte besser laufen”, “habe ich mir irgendwie anders vorgestellt”, “stand jetzt nicht so im Plan” – so oder ähnlich denken wir wohl alle mehrmals am Tag. Unzufriedenheit stellt sich bei vielen sehr schnell ein und das Glas ist tendenziell halb leer, anstelle von halb voll. Es beginnt schon mit dem ersten Körpercheck kurz nach dem Erwachen. Knochen: ok, Magen: etwas flau, Nacken: wie immer und müde sowieso. Dann das erste schlechte-Laune-stell-Dich-ein, wenn der Spiegel naht. Wie ein Emoji mit aufgerissenen Augen und Händen am Gesicht spiegelt sich in unseren Augen der erste Grund für Unzufriedenheit wider. Das Antlitz war mal anders – frischer. Den Kurswechsel von WOW zu AU – haben wir nicht konstant wahrgenommen. Alles was die Kosmetikbranche zu bieten hat wird aufgetragen, um der absteigenden Tendenz Einhalt zu gebieten. Und schon folgt der zweite absolut triftige Grund kack Laune zu haben – der Kleiderschrank! Unterbesetzt und immer, wirklich immer langweiliger als der, der Freundin bestückt. Wer jetzt noch mit freundlichem Morgensingsang liebäugelt, wird vom zu laut Musik hörenden Teenager oder dem konsequent im Weg stehenden Partner auf die erste Stufe der täglichen Unzufriedenheit abgeholt. Der Gedanke an die leere Kaffeedose, setzt dem wie immer durchschnittlichen Morgen die Krone auf.

An Absurdität ist dieses Szenario nur noch zu toppen durch die Tatsache, dass wir diese Gedanken und damit das schlechte  Gefühl bestimmen und nicht umgekehrt.  Aber warum ist das so?

Haben wir verlernt zufrieden zu sein?  Wann ist man überhaupt zufrieden? Viele Dinge nehmen wir als so selbstverständlich hin, dass sie uns keinen positiven Ausgleich mehr verschaffen. Wie zum Beispiel unsere Gesundheit. Wir gehen davon aus, dass wenn wir krank sind, uns irgendeine Pille hilft und dass wir alle Hundert Jahre alt werden. Wofür also dankbar sein. Kranke Kinder haben nur die anderen, Knochenmarkspendenaufrufe werden vie Social Media gepostet und damit hat man sich ausreichend mit diesem Thema auseinander gesetzt. Dankbarkeit für eigene gesunde Kinder ist in Sekunden geteilt. Wir stehen morgens auf, um zur Arbeit zu gehen, denn einen Job zu haben, ist ja selbstverständlich. ALLE haben einen, und man kennt immer jemanden, der besser verdient, warum also dankbar sein?!

Paradoxerweise hat alles was wir tun und was uns unzufrieden macht nur ein Ziel  – irgendwann zufrieden zu sein. Hinarbeiten auf den Moment, wo das was wir tun, uns glücklich sein lässt. He?

Ein gesundes Maß an Unzufriedenheit treibt uns auch sicherlich ein Stückweit an. Wir bewegen Dinge, ändern Wege und so bleiben wir nie stehen. Doch wenn wir verlernen, uns auch positiven Antrieb aus einer Zufriedenheit heraus zu holen, wird es echt eng mit dem Seelenheil.

Alle die, die sich angesprochen fühlen, können sich gerne meinem neuen Credo anschließen: So what – und eigentlich ziemlich gut! Reicht als neuer Blickwinkel erstmal völlig aus. Wir wollen ja die Kirche im Dorf lassen und step by step zufriedener werden. Also heißt der morgendliche Checkup realistisch gesehen sicher nicht “Juhu ich lebe”, aber ich wache auf und bin zufrieden. Zufrieden mit meiner Familie, alle gesund, gemeinsam in den Tag starten zu können. Der Spiegel könnte eine weitaus bescheidenere Bilanz liefern und wen juckt es wirklich, ob ich heute dicke Augen habe, außer mich selbst? Was mein Kleiderschrank betrifft, so gestehe ich mir ein, dass ich in Wirklichkeit immer das Gleiche trage, weil ich mich darin am wohlsten fühle und nicht, weil ich nichts anderes habe. Neben nervigen Verhandlungen bietet mein Job mir auch die Chance kreativ zu sein und viele nette Menschen kennen zu lernen.

Mit diesem Credo werde ich das Glas für 2017 fortan für immer halb voll erklären. Und wenn es mal rappelt, genau daran festhalten. Ich glaube fest daran, dass wir das Gefühl der Unzufriedenheit bestimmen und nicht umgekehrt.

Ihr Lieben, ich schwöre Euch, wenn das klappt schreibe ich ein Buch und gebe fortan Coachings.

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